Gemeinsam stark, statt zusammen gegeneinander

 

Überlegungen zu einem postiven und kreativen "miteinander"

 

Teamarbeit

Wo mehrere Menschen zusammenarbeiten, treffen unterschiedliche Fähigkeiten und Einstellungen aufeinander. Ein gutes Team versteht es, diese Vielfalt zum Vorteil aller auszunutzen.

Eine Kette, sagt man, sei nur so stark wie das schwächste Glied, und oft wird dieses Bild mit Teamarbeit gleich gestellt. Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht zu hundert Prozent richtig. Ein Beispiel erklärt, warum: Kunde Käslin will sich ein neues Elektrovelo kaufen. Der Angestellte Armin des lokalen Händlers berät ihn umfassend, fragt nach Bedürfnissen und Einsatzzweck und empfiehlt das Modell X.
Da sich Käslin von den zahlreichen technischen Details etwas erschlagen fühlt, will er den bunten Prospekt zu Hause nochmals studieren und nochmals über den Entscheid schlafen. Am drauffolgenden Samstag ist sein erster Berater gerade in ein anderes Verkaufsgespräch vertieft, weshalb sich der Ladenbesitzer persönlich um Käslin kümmert. Die Überraschung ist gross, als dieser dem verwirrten Käslin das Model Y empfiehlt, obwohl dieser nochmals dieselben Wünsche äussert. Mehr noch: Der Chef beurteilt das Velo X für den Einsatzbereich von Käslin als ungeeignet. Was nun? Beide Gespräche erweckten einen seriösen Eindruck und die Verkäufer argumentierten nachvollziehbar. Käslin wählte weder X noch Y sondern Z: Er beschloss, sein Glück in einem anderen Geschäft zu suchen und kaufte schliesslich beim Händler im Nachbarort.

Teambildung statt Gruppenwuchern

Der misslungene Kaufabschluss zeigt, worauf es bei einem Team drauf ankommt: Nicht, dass die einzelnen Mitglieder für sich allein kompetent sind, sondern, dass sie auch zusammen spielen und sich gegenseitig ergänzen. «Damit ein Team gut funktioniert, braucht es nicht nur ein gemeinsames Ziel, sondern auch einen gemeinsamen Weg dorthin», sagt Verkaufstrainer Manuel Mettler. Damit das gelingt, braucht es einen regelmässigen Austausch aller Mitarbeiter über die Geschäftsstrategie. Neben dem Zeitdruck aus dem Tagesgeschäft gibt es auch weitere Stolperfallen zu umgehen.
Eine der grössten Gefahren lauert ganz am Anfang, sagt Mettler: «Eine Gruppe von Leuten ist noch kein Team – das wird oft unterschätzt». Er hat die Erfahrung gemacht, dass sich Mitarbeiter eines Betriebs oft als Konkurrenten verstehen. Keiner will sein Wissen preisgeben, weil er sich daraus einen Vorteil für sich selbst verspricht. Nebst vertrauensbildenden Massnahmen wie gemeinsamen Velotouren und Arbeitspausen oder zusammenhaltsfördernden Belohnungen bei einem guten Geschäftsgang für alle Mitarbeiter rät Mettler vor allem zu einer offenen Kommunikation: «Die Mitarbeiter sollen wissen, wo das Geschäft steht und wie es läuft». Diese Informationen dürfen ruhig auch unter dem Siegel der Vertraulichkeit weiter gegeben werden, sagt Mettler, weil bereits durch ein gemeinsames Geheimnis der Zusammenhalt wachsen kann.

Austausch als Voraussetzung

Zusätzlich ist es notwendig, zu wissen, welche Interessen und welches Fachwissen die einzelnen Mitarbeiter
haben und was sie zum Erfolg beitragen können. Danach sollte gemeinsam beraten werden, wie diese einzelnen Ansichten zu einem gemeinsamen Geschäftsinteresse zusammengefügt werden können. Dieses sollte in einem gemeinsamen Ziel festgehalten werden, wie beispielsweise: «Unser Angebot ist so klar, dass wir im Kundengespräch personenunabhängig dieselben Leistungen anbieten können». Nach der Formulierung sollte die Erreichung dieses gemeinsamen Ziels für alle Mitarbeiter oberste Priorität haben und die einzelnen Arbeitsschritte darauf ausgerichtet werden. Jeder Mitarbeiter sollte sich danach bewusst sein, welche Rolle er spielt und was er zum Erreichen des Ziels beitragen kann. Im Beispielfall kann das bedeuten: schärfere Profil-lierung des Sortiments, intensivere Produktschulung und dass der Angestellte Armin jeweils für die intensive Beratung von Elektrovelo-Kunden zuständig ist.
Solchen Teamgeist im Geschäft umzusetzen ist eine grosse Herausforderung, die leicht unterschätzt und vernachlässigt werden kann. Zeit, Geduld und die Bereitschaft, das eigene Wissen nicht als absolute Wahrheit anzusehen, sind die Voraussetzungen dafür. Als Ertrag für den Aufwand winkt ein besserer Zusammenhalt der Mitarbeiter und vertrauensvollere Kundenkontakte.